4 Wochen Roadtrip im Truck Camper. Über 2500 km. Naturerfahrungen, wie man sie sich nur erträumen kann.
Das ist das große ALASKA - THE LAST FRONTIER Review - Juni 26
Der Abschluss des “Once-in-a-lifetime”-Roadtrips mit sehr langen Fahrten durch unberührte Natur, grandiosen Ausblicken und altbekannten Küstenstreifen. Es lief nicht alles rund: Technisches Equipment hat sich verabschiedet, der Kampf mit dem heimlichen Wappentier des Bundesstaates musste verloren gegeben werden - und doch war es ein würdiger Abschluss mit erneut beeindruckenden Erfahrungen und Beobachtungen.
Begleitet mich ein letztes Mal durch Alaskas Weiten im abschließenden Teil dieser Serie zu Alaska - The Last Frontier
- Viel Spaß beim Lesen und Entdecken !
Part 3: Denali Highway mit einigen Umwegen
Eine Geschichte von Mücken und Adlern
Da Alaska weit mehr zu bieten hat als Küstenregionen und reich strukturierte Wälder, sollte der nächste Fokus auf den weiten Landschaften liegen. Von Seward ausgehend standen zunächst einige organisatorische To-Dos in Anchorage auf dem Weg in den Norden an, sowie ein Zwischenstopp am Hatcher Pass, der leider aufgrund der Witterung noch gesperrt war. Die Übernachtung am Fuß dieses Hochtals aber war nicht weniger schön und der Ausblick beim Sonnenuntergang traumhaft.
Das Zwischenziel war Cantwell am Denali Highway. Diese “Autobahn” ist aus Osten kommend der direkte Weg zum gleichnamigen Nationalpark. Auch wenn der Denali-Nationalpark der wahrscheinlich bekannteste Ort für die Beobachtung von großen Säugetieren ist - wenn man einer schnellen Internetrecherche glauben mag - war das bewusst kein Ziel für diesen Roadtrip. Aktuell ist dort die Zugänglichkeit aufgrund eines Erdrutsches noch eingeschränkt und die Beobachtungsmöglichkeiten gleichen oft eher einem Wildpark, wenn große Menschenansammlungen direkt an der Straße auf einzelne Tiere treffen.
Das entspricht nicht der Art der Fotografie, die mir Spaß macht, und führt meistens auch nicht zu besonderen Bildern.
Mit jedem Kilometer rückte die Zivilisation immer mehr in den Hintergrund, entgegenkommende Autos wurden seltener und weite Täler mit der beeindruckenden Alaska Range im Hintergrund öffneten sich neben der Straße. Die 220 km Schotter zwischen Cantwell und Paxson bei Tempo 30 konnten also kommen.
Es waren zwei Übernachtungen im Voraus geplant, um in Ruhe die Strecke fahren zu können, ausreichend Zeit für Fotografie und kleine Erkundungen zu haben und vor allem nicht in Zeitdruck zu geraten. Denn der einzige Fixpunkt - der anstehende Rückflug - war nicht mehr allzu weit in der Zukunft und der Weg zurück nach Anchorage noch beträchtlich.
Über die letzten knapp 3 Wochen war das Wetter wirklich traumhaft - nicht immer zum Fotografieren aber aus Touristensicht und für ein entspanntes Camperleben. Oftmals keine einzige Wolke am Himmel, dazu die knapp 20 Stunden Tageslicht - das war schon beeindruckend. Nach den ersten Kilometern war aber absehbar, dass der Regen und die dunklen Wolken mehr als nur ein kurzer Sommerschauer sein würden und diesen Landstrich fest im Griff hatten. Nach einem guten Drittel der Strecke und einer kurzen trockenen Phase war zumindest mal ein guter Stellplatz gefunden, um das schlechte Wetter abzuwarten. Handyempfang für einen kurzen Check auf dem Regenradar war leider schon lange Fehlanzeige.
Knapp 50 Stunden Dauerregen später sollte es dann weitergehen
Dieser ungeplante Aufenthalt, der zudem durch das schlechte Wetter auch gar keine Fotomöglichkeiten bieten konnte, war ein erster kleiner Dämpfer. Um aber wenigstens noch die Chance zu bekommen, diese abgelegene Wildnis in Alaska zu genießen war ein Durchfahren und an anderer Stelle auf besseres Wetter hoffen, ausgeschlossen.
Gelohnt hat es sich zunächst voll. Auch hier werden die Bilder der Landschaft (meistens mit dem Handy) einfach nicht der tatsächlichen Größenordnung gerecht. Das Gefühl, kilometerweit über Nadelwälder - die aussehen wie kleine, grüne Streichhölzer im Boden - vor schneebedeckten Bergen zu schauen, lässt einen sehr klein und unbedeutend wirken.
Die immer noch tief hängenden Wolken begannen sich langsam aufzulösen und es lohnte sich, öfter anzuhalten, auszusteigen und auch nach Vögeln und Elchen Ausschau zu halten oder einfach die Landschaft zu genießen. Außer einigen Belegbildern und interessanten Beobachtungen - wie einer Kolonie von Fahlstirnschwalben, die unter einer Brücke fleißig am Nestbau war - gab es aber nicht so viel zu sehen und zu fotografieren. So ging es Stück für Stück in Richtung des nächsten Campspots, der direkt an einem See vor grandiosem Bergpanorama liegen sollte.
So weit war es aber noch nicht.
Ohne Handyempfang vergisst man erstaunlich schnell, dass das Gerät überhaupt zu etwas zu gebrauchen ist und der permanente Zwang auf Instagram oder ähnlich aktiv zu sein verfliegt direkt. In dem Fall war das aber ausnahmsweise keine gute Sache. Am freien Campspot angekommen, ging dann der Griff zum Handy - um auf der Offline-Karte nochmal zu checken, dass auch alles passt - leider ins Leere. Schnell war klar, dass im Auto nichts zu finden war und aus der Befürchtung, es bei einer der Pausen verloren zu haben, ging es den ganzen Weg wieder zurück, um alle Parkbuchten abzusuchen.
Ich war mir sicher, dass ich es noch benutzt hatte, da ich während der Pausen öfters eine Soundaufnahme des Habitats gemacht habe - das Handy vorbildlich auf die Motorhaube gelegt. Am Ende war es aber wohl die Mülltüte, die nach hinten sollte und das Handy auf dem Tritt außen seine letzte Ruhestätte gefunden hat (mit vollen Händen schließt sich die Türe eben schlecht auf). Nach knapp 3 Stunden Suche und der letzten Parkbucht vor dem Campspot am See war die Ernüchterung dann groß - bis mir dieses schwarze zweiteilige Set mitten auf der Straße aufgefallen ist.
Mindestens einmal überfahren, aber dafür noch gut in Schuss - die Hülle hat sogar noch gepasst.
Ob die eigenen Reifen - auf dem Rückweg während der Suche - oder ein anderes Auto am Ende der Grund waren bleibt wohl ungeklärt. Für die restliche Reise war es kein Weltuntergang, aber einige sehr schöne Aufnahmen der Bären und Adler sind damit leider auch für immer geplättet.
Immerhin war der Platz wirklich so schön wie erhofft, und bei untergehender Sonne war die ganze Szenerie einfach atemberaubend. Einige Eskimoregenpfeifer, Mittelsäger, Trompeterschwäne und andere Wasservögel direkt am Spot waren auch sehr vielversprechend. Nach einem kurzen Scouting-Trip für den nächsten Morgen war eine Menge Potenzial da und auch die Drohne kam hier voll und ganz auf ihre Kosten. Aus dem Videomaterial der Landschaften und Tiere versuche ich noch einen Zusammenschnitt zu machen - das wird aber eher etwas für die ruhigeren Tage über den Jahreswechsel.
Alles war also vorbereitet für einen spektakulären Sonnenuntergang und einige gute Fotosessions.
Wären da nicht die inoffiziellen Wappentiere Alaska gewesen - die Moskitos
Bis dahin waren es hauptsächlich küstennahe Stellplätze, nur vereinzelt an Seen oder etwas mehr im Inland, aber hier war der Camper und die Psyche dem Ansturm nicht gewachsen. Beim Fotografieren am Abend war es noch in Ordnung, da der Ganzkörperanzug inkl. Wathose, Regenjacke und Moskitonetz über dem Kopf keine Lücken zugelassen hat und man ohnehin in Bewegung war. Im Camper wurde aber schnell klar, dass die Fenster und die Lüftung wohl nicht gut genug abgedichtet waren. Eine Rolle Zewa später sah es für den Moment gut aus, doch es gab immer einen anderen Weg für diese nervtötenden Tiere.
Um 2:30 Uhr morgens war dann der Beschluss gefasst - hier geht es nicht weiter. Ab zurück an den Strand, damit der Wahnsinn nicht überhandnimmt.
Das Problem war nur: Knapp 12 Stunden Fahrt waren dafür notwendig - und das, ohne geschlafen zu haben. Ein kurzer Zwischenstopp am Folgetag und zwei Nachtfahrten bis zurück zum bekannten Anchor Point aus Teil 2 waren dann die Folge.
Am Ende waren aber genau das die schönsten Fahrten des ganzen Trips. Vom Sonnenaufgang in den Bergen über abwechslungsreiche Landschaften bis hin zu überraschende Tierbeobachtungen und Anblicken, über die man einfach nur staunen konnte.
Neben der ersten Eule in Alaska - einem Virginiauhu - hat auf der Fahrt ein Stachelschwein den Weg gekreuzt, 35 Elche waren direkt neben der Straße auf Futtersuche, ein Moorschneehuhn hat perfekt vor dem Camper posiert und die Landschaften sind wie surreal wirkende Bilder vorbeigezogen.
Lief auf diesem Abschnitt der Reise alles wie geplant? Natürlich nicht! Aber die Umstände haben trotzdem zu sehr schönen Momenten geführt, die ich sonst definitiv nicht erlebt hätte. Die schlechte Laune am Anfang war nach wenigen Minuten komplett verflogen, als die Sonne hinter den knapp 4000er der Alaska Range rot leuchtend aufging.
Genau wie in der Wildlife-Fotografie passieren die schönsten Dinge oft völlig unerwartet.
Und als kleinen Bonus gab es eine zweite, ungeplante Session mit den Adlern, damit auch fotografisch hier noch neue Eindrücke kommen. Also zurück zur alten Wirkungsstätte.
Die zweite Runde in Anchor Point - dem am weitesten westlich welches gelegenen Ort, der über eine befestigten Straße erreicht werden kann - konnte nach einem ausgedehnten Mittagsschlaf also starten.
Besonders spannend war für mich jetzt, einen bereits bekannten Ort ein zweites Mal zu besuchen. Die Gezeiten und das Verhalten der Adler waren nicht komplett neu, und so hatte ich mir ein paar Ziele gesetzt, um ein breiteres Spektrum an Licht- und Verhaltenssituationen abzudecken.
Ganz oben auf der Liste stand, das Gegenlicht der untergehenden Abendsonne bei Low Tide zu nutzen, Interaktionen festzuhalten und, wenn alles gut läuft, eine Weitwinkelaufnahme eines Adlers zu machen. Für die gut zwei Tage auf jeden Fall ein ambitioniertes Programm.
Die Bedingungen waren jedoch etwas herausfordernder, da starker Wind vom Meer das Laufen, geschweige denn Fotografieren deutlich erschwerte und auch nicht mehr die hohe Dichte an Adlern präsent war. Es waren meist nur einzelne Exemplare, aber dadurch konnte ich mich auch etwas konkreter mit einzelnen Individuen auseinandersetzen - was am Ende auf jeden Fall auch zu spannenden Bildern geführt hat.
Was besonders schön war, dass es noch ein paar neuen Arten zu sehen gab - und sobald es weitere Watvögel gibt kann man ja nur glücklich sein. Hier mal ein kleiner Überblick.
Wie schon vorher angekündigt, war das Thema Weitwinkelaufnahme noch ein Ziel und ein grober Plan dafür war bereits gemacht. Die Adler hier waren zwar teils recht tolerant, aber die Wahrscheinlichkeit mit dem 24mm sich dem Adler zu nähern und dann noch ein gutes Bild zu machen, war mir dann doch zu gering.
Aus den Erfahrungen des ersten Aufenthaltes kannte ich zwei große Felsen, die bei Ebbe sehr dominant am Strand zu sehen waren. Da ich von einem adulten Adler auf genau diesem Fels am ersten Tag eines meiner Lieblingsbilder machen konnte, war das für mich der Ort mit dem größten Potenzial - auch wenn wirklich nur an diesem Nachmittag Adler dort saßen - bei Möwen waren diese Plätze hingegen dauerhaft beliebt.
Die R7 als Zweitkamera mit dem 24mm also professionell in den Sand gelegt - und dann hieß es warten. Zu diesem Zeitpunkt war kein einziger Adler am Strand. Mit meinem normalen Setup war ich dann 50 bis 100m entfernt am Strand unterwegs, den Fernauslöser immer griffbereit, falls doch etwas passieren sollte. Ein paar schöne Bilder sind zwar noch entstanden, aber eben nicht dort, wo ich es gerne gehabt hätte.
Beim ersten Aufenthalt hätte ich die Ruhe auf jeden Fall nicht gehabt, mehrere Sessions zu “opfern” für ein Bild mit sehr geringer Wahrscheinlichkeit, da viel zu viel an anderer Stelle verpasst werden konnte. In diesem Zusammenhang waren die Moskitos im Camper ein wahrer Glücksgriff, um hier nochmal eine neue Chance zu bekommen. Denn auch zuhause entstehen die guten Bilder wirklich nur über einen längeren Zeitraum und die Optimierung eines Spots.
Die vorletzte Möglichkeit vor der Abreise war gekommen und auch diesmal war beim Aufbauen kein einziger Adler zu sehen. Es waren jedoch zwei Jungvögel am Strand unterwegs, die mich aus der Ferne beobachtet hatten. Ich war gerade wieder in größerer Entfernung unterwegs, als zwei andere Jungvögel in Richtung der Felsen unterwegs waren - vielleicht war das ja der Moment.
Die Richtung hat schon mal gepasst, aber beide saßen doch noch ein gutes Stück entfernt und hatten offensichtlich gar kein Interesse an einem erhöhten Ansitz.
Ich hatte mittlerweile meine Position gewechselt und konnte nur noch hoffen. Einer der Adler hatte auf jeden Fall wenig Geduld und flog kurz danach ab. So lag die ganze Hoffnung auf einem einzigen Tier - den ich davor auch schon mehrfach fotografiert hatte, da (wahrscheinlich) er eine sehr helle Feder direkt am Schnabelansatz hatte. Es wurden zwar Schritte in die richtige Richtung gemacht, doch so richtig sollte alles noch nicht klappen. Der Versuch allein, sich mit Weitwinkelaufnahmen zu beschäftigen, war aber schon eine super Erfahrung, die ich in Zukunft viel öfter anwenden möchte - Ein Bild ist da erstmal Bonus.
Das war der letzte Annäherungsversuch, bis es dann tatsächlich geklappt hat. Ich konnte es wirklich nicht glauben, dass sich ein Adler ohne jeden Grund genau auf den Fels mit meinem Kamerasetup setzen würde - aber vielleicht war das schwarze Gestell doch irgendwie interessant als neues Element in der Landschaft.
Im Nachhinein hätte ich einige Sachen geändert. An erster Stelle eine Vollformatkamera zu verwenden, damit auch wirklich die 24mm Bildwirkung entsteht, dann hätte ich die Position der Kamera angepasst, um einen möglichst dramatischen Bildlook zu bekommen.
Eine Fernsteuerung mit Möglichkeit zur Anpassung der Belichtung wäre noch vorteilhaft gewesen. Viele “Abers”. Am Ende war und bin ich jedoch überglücklich zu einer kleinen Bildserie auf dem Stein gekommen zu sein. Auch wenn das Bild an sich nicht die aller beste Qualität hat, war es einfach eine Wahnsinnserfahrung und ein Moment voller Freude an diesem Strand in Alaska.
Damit geht eine knapp vierwöchige Reise durch Alaska zu Ende - mit Erfahrungen und Eindrücken, die für immer besonders bleiben werden. Auch fotografisch war es eine absolute Bereicherung und als selbst organisierte Reise auch persönlich etwas Besonderes - ausgenommen von den Bären zu Beginn natürlich. Aus Birding-Perspektive wurde die 100 Arten Marke geknackt (fast die gleiche Anzahl an Lifern), was mich auch sehr gefreut hat, auch wenn sehr viele Arten fotografisch maximal unterrepräsentiert waren und auch in diesem Review wenig Raum bekommen haben. Es zeigt sich an der Stelle einmal mehr, dass Zeitinvestition das beste Mittel für gute Bilder ist - unabhängig vom Ort. Und die Adler und Bären hatten in dem Fall eben am meiste Glück, viel Aufmerksamkeit zu erhalten.
Ich hoffe, ich konnte mit dieser dreiteiligen Reihe ein paar Einblicke geben und sowohl für das Land, als auch für die Fotografie begeistern. Man muss wirklich dort gewesen sein, um die Größe, Weite und Faszination der Tierwelt und Natur zu begreifen.
Ein paar abschließende Bilder sind unten in einer Galerien zusammengefasst. Weitere Beiträge auf Instagram oder direkt im Portfolio hier auf der Webseite folgen sicher noch, da ich immer noch einige Bilder und ganze Sessions unbearbeitet habe - aber das ist dann eine schöne Überraschung für die Zukunft.
Vielen Dank fürs Mitlesen und Begleiten auf diesen “Once-in-a-Lifetime” Trip - der hoffentlich bald wiederholt werden kann.