ALASKA - THE LAST FRONTIER II

4 Wochen Roadtrip im Truck Camper. Über 2500 km. Naturerfahrungen, wie man sie sich nur erträumen kann.

Das ist das große ALASKA - THE LAST FRONTIER Review - Juni 26

Nach dem beeindruckenden Auftakt im Lake Clark National Park und vielen Stunden im ATV Anhänger war es an der Zeit, größere Teile von Alaska zu erkunden. Um sowohl eine gute Logistik, top Birding- und Fotolocations als auch schöne Campspots entlang der Strecke miteinander zu verbinden - und dazu auch einfach mal etwas zu entspannen - waren die Kenai Halbinsel, Seward und der Denali Highway die grobe Routenplanung für die nächsten Wochen.

Wie man sich denken kann, war von Ernüchterung bis Begeisterung alles dabei, und die ein oder andere Notlösung hat am Ende doch zu besonderen Momenten geführt.

Bären | Vogelbeobachtung | weite Landschaften | wenig Leute | maximale Flexibilität

Begleitet mich durch unterschiedlichste Habitate - von der rauen Küste bis zu alpinen Hochebenen - im zweiten Teil vom Review - Viel Spaß beim Lesen und Entdecken !

 

Part 2: Southcentral Alaska

Von Kolibris bis Buckelwale - die facettenreiche Kenai Halbinsel

Nach den 3 Tage in “Isolation” von der normalen modernen Gesellschaft mit Autos, blinkenden Lichtern, Werbebannern, vielen Menschen und Lärm - war es ein gutes Gefühl das Stadtgebiet auch schnell wieder zu verlassen und in die Natur einzutauchen.

„The best thing about Anchorage is that it’s only 30 minutes from Alaska“

Wie passend der häufig verwendete Satz ist, war schnell klar. Hinter den letzten Häusern steigen die Bergketten der Chugach Mountains empor und das Meer umschließt das Stadtgebiet zu allen anderen Seiten. Mit etwas Glück lassen sich Belugawale im Cook Inlet aus Anchorage beobachten, Bergziegen entlang der steilen Klippen des Seward Highways und eine Vielzahl an Vogelarten direkt in den Stadtparks - die hier in Deutschland wahrscheinlich ein bedeutendes Naturschutzgebiet wären.

 

Um Anchorage aber nicht komplett zu übergehen, war hier vor allem der Birding Aspekt ein kleiner Fokus, denn die Liste an unbekannten Arten in Alaska war sehr lang - und irgendwo muss man eben starten. Der wahrscheinlich beste Ort, um all diese unbekannten Vogelstimmen und charakteristischen, optischen Merkmale wahrzunehmen und zu lernen ist das urbane Umfeld mit kleinen Seen und Waldstücken. In kürzester Zeit kamen ca. 35 neue Arten zusammen. Neben dem Kanadakranich mit Nachwuchs, waren vor allem die Küstenseeschwalben sehr aktiv und neben der Brutkolonie von Kurzschnabel-Sturmmöwen für die Geräuschkulisse verantwortlich. Ein Paar Eistaucher mit ihren charakteristischen Rufen und einige überfliegende Weißkopf-Seeadler haben Lust auf mehr gemacht.

Meine Go-To-Kombination zur Bestimmung - wenn es nicht offensichtlich war - war die Merlin Bird ID App und eine Vielzahl an Belegbildern, die ich Nachgang alle gesichtet werden wollten. Speziell zu den Morgen- und Abendstunden (die hier nur gut 4 Stunden auseinander liegen) sind dann doch einige schöne Bilder entstanden.

Was als Naturerfahrung aber völlig unerwartet kam war die erste Begegnung mit einem Elch im Kincaid Park der mit ca. 600 Hektar noch als "Stadtpark" von Anchorage gilt. Besonders beliebt bei Radfahrern - führt ein gut 15km langer Weg einmal um den Flughafen, durch strukturreiche Wälder direkt an der Küste. Elche sind hier keine Seltenheit - im Stadtgebiet von Anchorage leben schätzungsweise 1500 Elche - aber die Art der Begegnung war besonders.

Auf einem kleineren Waldweg stand dann plötzlich eine Elchkuh - für die Größe eines Elches perfekt getarnt - im Unterholz und hat sich an den frischen Trieben satt gefressen. Ein Foto war hier erstmal gar keine Priorität, sondern einfach nur die Beobachtung und die Präsenz dieser gewaltigen Tiere zu genießen.

Wie es ja so oft kommt in der Tierfotografie, wenn man sich ruhig verhält und an einem Ort bleibt, kommen die Tiere einem näher und akzeptieren die Präsenz - oder ignorieren den Mensch in ihrem Lebensraum einfach.

Hier würde ich sagen war die Distanz fast etwas zu kurz.

Ungeschickterweise auf 800mm gezoomt, wollte ich mich keinen Millimeter mehr bewegen, als der Elch gschätzungsweise 3-4m vor mir auf dem Weg stand und langsam zu den gegenüberliegenden Bäumen lief. Dementsprechend ist das einzige brauchbare Bild ein Detail des Nasenlochs mit ein bisschen Blatt als Zusatz.

Der Puls und die Anspannung waren hier aber auf jeden Fall deutlich höher als bei den Bären - alleine unterwegs zu sein ändert auf jeden Fall schonmal einiges und dazu kommt die schiere Größe der meistens sanften Pflanzenfresser. Nichts für schwache Nerven.

Jetzt kann der Roadtrip aber wirklich starten und auch etwas Ruhe einkehren.

Über die nächsten 5 Tage lag der Fokus darauf, das Camper Setup zu optimieren, schöne Campspots zur Übernachtung zu finden und die langen Tage auch etwas zu genießen. Neben Wanderungen rund um Girdwood, Hope und am Kenai Lake war es entspannend die Fotografie etwas hinten anzustellen und die Natur und die Ruhe wirken zu lassen. Abgesehen von ein paar guten Belegbildern und einzelnen zufälligen Sichtungen entlang der Wege war das die “unproduktivste” Zeit in Sachen Tierfotografie während der gesamten Reise.

Umso actiongeladener sollte es dann aber an den Küstenregionen im Süden der Kenai Halbinsel weitergehen. Im Zuge meiner Recherche im Voraus sollte jetzt die Zeit der Weißkopf-Seeadler kommen - und das war auch der Fall.

 

Gesehen und auch teilweise fotografiert hatte ich die majestätischen Wappentiere zwar schon, aber die Wunschbilder - wie bei den Bären - waren auch hier nicht aus dem Kopf zu bekommen. Vom klassischen Close-Up Portrait, zu Flugaufnahmen, Gegenlichtsituationen und einer ganz konkreten Bildidee (die zugegeben nicht besonders kreativ war - mich aber dennoch als Bild gereizt hat) war die Liste lang.

Anchor Point mit seinem langgezogenen Strandabschnitt sollte der perfekte Ausgangspunkt für die nächsten 3 Tage sein und unzählige Möglichkeiten bieten. Hier war der Campingplatz - der einzige während des gesamten Trips - direkt am Strandabschnitt, der optimal Ausgangspunkt, um die Zeit bei den Adlern zu maximieren und kurze Wege zu haben.

Zurückversetzt in den Rhythmus des Lake Clark National Parks mussten sich hier alle Mahlzeiten und weitere Aktivitäten an die Lichtstimmung und Präsenz der Adler anpassen. Im Schnitt war ich sowohl zu Sonnenaufgang - wie Untergang und am Nachmittag jeweils mehrere Stunden unterwegs, auf der Suche nach einem Weg, meine Wunschbilder umsetzen zu können.

Hier wurde besonders deutlich was alles berücksichtigt werden muss, um alleine an neuen Orte zu den Bilder zu kommen, die man sich vorstellt. Auf langjährige Beobachtungen und Erfahrungen konnte ich nicht zurückgreifen, deshalb war es ein Mix aus guter Vorbereitung und dem notwendigen Glück, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein.

Die Berücksichtigung der Gezeiten war nach der ersten Scouting-Tour das wesentliche Kriterium.

Dass die Adler hier eine dauerhafte Präsenz sind, war an einigen sehr prominent platzierten Horsten - im Vorgarten von Wohnhäusern - klar, doch die Explosion im Aufkommen war beeindruckend, sobald die Ebbe einsetzt. Von anfangs 2-3 Exemplaren ging es in kürzester Zeit auf bis über 30 Adler. Von Jungtieren aus dem 1. oder 2. Kalenderjahr bis zu adulten Tieren war alles dabei und die bestehende Hierarchie wurde regelmäßig von den Jungtieren in Frage gestellt.

Die entstehenden Tide-Pools waren ein Magnet für die Adler und auf heftige Kämpfe um die besten Plätzen musste man nicht lange warten. Zu dem Zeitpunkt noch aus Unwissen war ich mittendrin und saß wenige Meter entfernt im feuchten Sand. Der passende flache Stein als Ground-Pod Ersatz war auch schnell gefunden und dann konnte eigentlich nicht mehr viel schief gehen. Die Hauptschwierigkeit war hier definitiv, auf eine gute Komposition zu achten und keine Flügel abzuschneiden.

Nach der ersten erfolgreichen Session war meine größte Sorge, dass die vorhanden 2TB an CF-Express Speicherkarten so schnell gefüllt werden und ich mit der Datensicherung und Formatierung gar nicht mehr hinterherkomme. Zum Glück für die Speicherkarten war das die mit Abstand ergiebigste Session - wenn man nach der Bildanzahl geht. Aus mehreren Gründen nicht optimal, da ich noch viel zu wenig zu Verhaltensmustern, Lichtstimmungen oder sonstigen externen Einflüssen lernen konnte und einige der Bilder mit etwas besserer Vorbereitung sicher noch ein Stück besser geworden wären. An der Stelle aber kein Grund sich zu beschweren, denn gerade der bewölkte Himmel hat schon einige meiner Lieblingsaufnahmen aus Anchor Point produziert.

Gerade in der Situation hat sich nochmals gezeigt warum ein Zoom Objektiv mit einem großen Brennweitenbereich für mich genau das richtige war. Von Close-Ups mit detaillierter Gefiederstruktur bis hin zu stimmungsvollen Habitatsaufnahmen war alles ohne Objektivwechsel möglich. Wenn man sich in der Situation wiederfindet, zwischen den Adlern zu sitzen und in jeder Himmelsrichtung einen neue Fotomöglichkeit vorfindet ist die Flexibilität essentiell. Da ist auch der Trade-Off von etwas weniger Bildqualität zu deutlich mehr Motiven und Fotomöglichkeiten absolut in Ordnung.

Auch wenn hier in sehr kurzer Zeit viele schöne Momente und einige der Wunschbilder entstanden sind, musste die Reise auch erstmal wie geplant weiter gehen, da eine verbindliche Buchung nur noch 2 Tage in der Zukunft lag.

Es sollte aber noch nicht das letzte Mal am Stand Strand der Weißkopf-Seeadler sein.

Die Geschichte dahinter kommt dann im nächsten und letzten Part des großen Alaska - The Last Frontier Reviews. - Seid also jetzt schon gespannt.

 

Nach einem kurzen Stopp im Homer - der fotografisch wenig zu bieten hatte, dafür aber von leckerem Heilbutt, heftigem Wind und einem falsch ausgelösten CO Alarm im Camper geprägt war - ging es knapp 300km quer durch die Kenai Halbinsel bis nach Seward, dem Tor zum Kenai Fjords National Park. Neben gewaltigen Eisfeldern und Gletschern zum Anfassen waren es vor allem die regenwaldähnlichen Küstenwälder mit ihren kleinsten Bewohnern und die einzigartige maritime Artenvielfalt, die diesen Ort so besonders machen.

Schon der Stellplatz mitten im Flussbett des Exit Glaciers war beeindruckend - im Nachhinein einer der schönsten der gesamten Tour - und hat das Gefühl vermittelt komplett in die Natur und Wildnis einzutauchen. Von Elchen, die in der Entfernung während dem Abendessen an der Baumkante auf Nahrungssuche waren, über ein standorttreues Paar lautstark rufender Drosseluferläufer waren es vor allem die Sonnenuntergänge kurz vor Mitternacht, die immer wieder auf Neue begeistert haben.

Neben einer Vielzahl an neuen Vogelarten wie dem Diademhäher, nahen Verwandten der europäischen Arten - unter anderem der Amerikabaumläufer, Rotbrustkleiber oder Amerikapieper - war es ohne jeden Zweifel die nicht einmal 9cm große und gerade einmal 5g schwere Rotrücken-Zimtelfe - ein Kolibri der eher unter seinem englischen Namen “Rufous Hummingbird” bekannt ist. Auch hier hat die E-Bird Recherche im Voraus gute Dienste geleistet, um einen passenden Ort zu finden und das Gebiet einzugrenzen. Den Vogel dann aber tatsächlich auch zu sehen bzw. zu fotografieren war eine ganz neue Herausforderung, wenn man nicht ganz genau weiß, wo man suchen muss.

Das erste Anzeichen war der Ruf, den ich in einem kleinen Kiefernwald bemerkt hatte und nicht richtig zuordnen konnte. Nach weiteren Rufen und einer flüchtigen Beobachtung - die eher nach einer Hornisse aussah - war auf einmal dieser farbenfrohe Kolibri etwa 10m vor mir auf einer Kiefernspitze und beobachtete aufmerksam sein Territorium. Über mehrere Stunden vor Ort wurde klar, dass diese winzigen Vögel sehr territorial sind und Artgenossen von ihren Lieblingsplätzen vehement vertreiben. Genau diese Lieblingsplätze sind meistens die höchsten Spitzen der Nadelbäume, die einen perfekter Überblick verschaffen. Durch diese Beobachtung sind mir dann am Ende auch vergleichsweise gute Bilder und Videos beim Landeanflug gelungen wenn man bedenkt, dass der Kolibiri meistens 5-6m über mir saß.

Besonders erfreulich war das Ganze für das Stativ und den 1,4-fach Konverter - für beides der erste und einzige Einsatz in Alaska.

Neben der Rotrücken-Zimtelfe waren es an einem etwas abgelegenen Strand die Eskimoregenpfeifer, die fotografisch das Highlight dieser Station waren. Da ich schon in Deutschland besonders gerne Limikolen und Regenpfeifer fotografiere - ein absolutes Muss, diese Unterart auch aus kürzester Entfernung beobachten und fotografieren zu können. Meine Erfahrungswerte aus den letzten 2-3 Jahren waren hier Gold wert. Die tiefst mögliche Perspektive (mit halb eingegrabenem Stativfuß im Sand) war schnell gefunden, die Antizipation des Verhaltens und der Laufrichtung der Regenpfeifer war nach ein paar Minuten erkennbar und somit stand die Grundlage für die ersten guten Bilder.

Auf Augenhöhe mit den Vögeln, um jeden Preis.

Wie man hier in Perfektion sehen kann, ist der Fotograf oft nicht besonders ansehnlich unterwegs, wenn es um das Anschleichen im Liegen geht. Ich habe die Raupe zwar noch nicht perfektioniert, aber am Ende war es ein gutes Mittel zum Zweck.

Mehrere Profitipps an der Stelle:

  • Rucksack absetzen erleichtert vieles, vor allem, wenn von Objektiven bis Wasserflaschen alles lose im Rucksack liegt.

  • wer solche BTS Bilder gerne vermeiden möchte sollte bevorzugt alleine Fotografieren gehen - im Zweifel verfolgen solche Bilder einen recht lange.

  • ein kleiner Lappen oder ein Tuch bewirken Wunder bei einem feuchten und sandigen Zoomobjektiv und machen den Rückweg zum Auto deutlich sorgenfreier.

 

Das schon angekündigte Highlight steht aber noch aus, deshalb geht es jetzt erst mal vom sicheren Festland auf eine knapp 10- stündige Bootstour durch die Fjorde des Nationalsparks.

Mit insgesamt 6 Vogelbeobachtern und Fotografen ging es auf eine abwechslungsreiche Reise zu Brutkolonien von unterschiedlichen Seevögeln, kalbenden Gletschern bei einem leckeren Sandwich und Getränken und einem All-You-Can-Eat Buffet für Buckelwale.

An dem Morgen hingen tiefe Wolken zwischen den Fjorden und die Sicht war am Anfang wirklich überschaubar. Auf der anderen Seite hat das aber eine mystische Stimmung gezaubert, während wir vom Hafen die ersten Ziele angesteuert hatten.

Nach zwei sehr zutraulichen Ottern, die für ein paar Portraits zur Verfügung standen, hat es keine 30min gedauert, bis der erste Wal des Tages gesichtet war - ein Buckelwal. An der Stelle wurde mir wieder klar, welch faszinierende und beeindruckende Welt die Meere zu bieten haben.

Vorbei an großen Kolonien von Dreizehenmöwen, Trottellummen den zwei dort Vorkommenden Arten von Papageitauchern - dem Hornlund und Gelbschopflund - oder Weißkopfseeadlern an den wolkenverhangenen Berghängen kam der Birder in mir schnell auf seine Kosten. Wie schwierig es aber ist, von einem kleinen Boot gute Bilder zu machen, bei denen auf der einen Seite das Motiv überhaupt im Sucher bleibt und dazu noch scharf und richtig fokussiert wurde, war schnell klar. Das Motto für den Tag war also gesetzt.

Ein Tag der Belegbilder und besonderen Naturerfahrungen.

Auch hier gab es im Verlauf der Tour eine Objektiv Prämiere - das RF24-105 f4 hatte direkt unter einem Vogelfelsen mit einer großen Kolonie und regem Betrieb seinen ersten Einsatz. Gerade aus Skandinavien sind mir die Bilder sehr gut bekannt, wenn tausende Vögel über den Fotografen zum Meer und wieder zurück fliegen und ein Muster in den Himmel zaubern. Da wir nur begrenzt viel Zeit hatten und für diese Art der Bilder der Winkel etwas suboptimal war, sind meine Bilder eher die Grundidee oder der erste Schritt zu einem guten Bild - nichts desto trotz war es eine schöne Erfahrung und wieder ein neuer Impuls für neue Bildideen und Gestaltungen.

Während eines längeren Zeitraums auf dem offenen Meer am Rand der Resurrection Bay konnten wir noch ein Finnwal entdecken, der mit seiner winzigen Rückenflossen nicht nach einem Koloss mit knapp 25 Metern aussieht. Neben der permanenten Präsenz von Seevögeln aller Art war der nächste geplante Fixpunkt des Trips der Northwestern-Glacier im gleichnamigen Fjord.

Der Anblick war absolut magisch. Stille, nur die sanften Wellen die gegen den Schiffsrumpf schwappen, das Knacken und Grummeln des Gletschers und dann plötzlich tonnenweise ins Meer stürzendes Eis - mit einer deutlich verzögerten Schallwelle. Jedes Foto wird der Größe und Besonderheit eines solchen Ortes nicht gerecht, um die Schönheit wirklich wertschätzen zu können. Die knappe Stunde dort verging wie im Flug. Und was genauso faszinierend war wie die unvorstellbar großen Mengen an Eis, war das Mikroklima rund um diesem Gletscher. Den ganzen Tag war eine dichte Wolkendecke am Himmel, aber im direkten Umfeld des Gletschers, strahlender Sonnenschein. Auf den Bildern unten ist es zu erahnen.

Vor dem Aufenthalt am Gletscher hatten wir schon über Funk vom anderen Boot mitbekommen, dass sowohl Orcas als auch Buckelwale in der Resurrection Bay gesichtet wurden. Da es aber einzelne Orcas waren, die wohl keinen längeren Aufenthalt planten war die Entscheidung schnell getroffen - und das war eine der wichtigsten des Tages.

Wir waren am Anfang das einzige Boot, das schon von weitem den großen Möwenschwarm über dem Meer sehen konnte. Da die Koordinaten passten, war alles klar.

Eine Gruppe Buckelwale beim “Bubblenet Feeding”

Nachdem uns der erfahrene Kapitän ein paar Tipps und Verhaltensmuster erklärt hatte, waren wir auch schon mittendrin. Schätzungsweise 6-7 Tiere bewegten sich in einem Umkreis von ein paar hundert Metern um uns herum, um große Fischschwärme zu bejagen. Die Jagdtechnik basiert auf Teamwork und guter Kommunikation. Ist eine große Schule von Beutefischen ausgemacht, wurden die notwendigen Signale gegeben und mit aufsteigenden Luftblasen in Kreisform wurden die Fische quasi “gefangen” und zur Oberfläche getrieben. Wie aus dem Nichts schossen dann riesige Mäuler aus der Wasseroberfläche, um so viel Fisch wie möglich auf einmal zu fangen.

Die Möwen waren hier sowohl unser Verbündeter, als auch der Feind.

Auf der einen Seite konnten wir - gerade bei größeren Entfernungen - die aufsteigenden Wale nur orten, weil sich die Möwen im Kollektiv auf den Fischschwarm gestürzt hatten, sobald dieser nahe genug an der Oberfläche war. Die Devise war also Möwen beobachten um Wale zu sehen. Aus Sicht des Fotografierens haben die Möwen die Verwendung des Autofokus aber komplett unmöglich gemacht - es waren einfach zu viele Vögel in der Luft und eine scharfe Aufnahme der Wale quasi unmöglich.

Glücklicherweise hatten die Wale nicht vor, ihre Fressorgie schnell zu beenden und wir hatten viele Versuche, alles aus der Zeit vor Ort herauszuholen. Auch hier sind am Ende zwar einige Bilder entstanden, doch das was hängen bleibt, sind die Momente. Pure Gänsehaut-Momente.

Mittels Hydrophon konnten wir auch einen Einblick in die Kommunikation unter Wasser bekommen und die Laute der Wale über einen Lautspreche an Deck hören. Als unser Kapitän mit den Worten “Those were the loudest calls I’ve heard in 20 years” endete war klar, dass gleich etwas verrücktes passieren muss. Nachdem wenige Sekunden später sämtliche Buckelwale 2m neben dem kleinen Boot aufgetaucht waren, war der Moment des Tages perfekt. Ich war natürlich zur der Zeit noch auf der falschen Seite des Bootes und fasziniert von hunderten Möwen, die direkt über mein Kopf flogen, konnte das Ganze dann aber doch noch selbst sehen. Auf Instagram wird dazu sicher noch das ein oder andere Handyvideo folgen - also es lohnt sich auch dort vorbeizuschauen.

Ich weiß nicht ob “emotional” das richtige Wort ist, aber die Beobachtung dieser Buckelwale mit ihrem gemeinsam koordinierten Jagdverhalten und den Rufen war ein Moment, der mir immer in Erinnerung bleiben wird und den Tag auf See zu etwas ganz Besonderem gemacht hat.

Die letzte Etappe der Reise steht aber noch an und führt in unbekannte Weiten und zu alten Bekannten an Alaskas Küsten. Teil 3 mit einer größeren Bildergalerie zum Abschluss folgt in den nächsten Tagen.

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